• Vom Papageientum unserer Zeit

Vom Papageientum unserer Zeit

28.08.2019

Freiheit und Eigentum durch Meinungsvielfalt schützen – Unter dem provokativen Titel «Wird Freiheit Luxus?» erschien im Jahre 1977 ein Buch mit 33 Ge­sprächen über die Zukunft der Schweiz. Herausragend ist der Beitrag der Philosophin und Sozialdemokratin Jeanne Hersch (1910-­2000) aus Genf, die auf diese Frage antwortete, dass man das doch nicht ernstlich in Frage stellen könne. Die Gedanken von damals haben nichts an Bedeutung verloren.

Die politische Freiheit sei kein Luxus, sondern Luft, die wir atmen müssten. Ohne politische Freiheit ersticke man geistig. Aber tatsächlich sei diese Freiheit bedroht, weil sich Menschen instinktiv der Lage anpassten, bereits aus blosser Furcht vor möglichen, aber keineswegs schon unmittelbaren Gefahren. Man sei versucht, sich mit dem abzufinden, was der Stärkere tue, es entstehe gar ein Konformismus der publizierten Meinungen. Es sei eine noch nie derart breite und tiefe Kluft zu beobachten zwischen denjenigen, die reden, schreiben, die öffentliche Meinung machten, und den anderen Leuten. Unter den Meinungsmachern herrsche weitgehende Übereinstimmung. Von Ausnahmen abgesehen, seien die Meinungsverschiedenheiten dieser Gruppe ausserordentlich gering. So hielt Jeanne Hersch fest:

«Die schreibende und redende Welt ist im grossen Ganzen einem Papageientum verfallen»

Lösungen für Umweltzerstörungen oder die Erschöpfung der Rohstoffquellen müssten gefunden werden, aber durch Meinungsvielfalt und Nachdenken. Eine Katastrophenstimmung lähme nur die Energien. Wer sich diesem angeblich progressiven Konformismus entgegen stelle, erlebe allerdings sehr bald, dass er in den Massenmedien nicht mehr zum Zuge komme.

Die vor über 40 Jahren gemachten Gedanken von Jeanne Hersch sind aktueller denn je. Man betrachte nur die derzeitig ebenso hitzigen wie einseitigen, aber vielchörig geführten Meinungsäusserungen zu Klima-, Gender-, Ernährungs- oder andere Fragen. Wer hier anders als der mediale und politische Einheitsbrei denkt und spricht, wird nicht gehört und bleibt unbeachtet. Vielen so bewegten Bedenkenträgern geht es dabei gar nicht darum, in der Sache Lösungen zu diskutieren und sich mittels Fakten der Wahrheit anzunähern. Es geht vielmehr um politische Macht, um die Änderung der bestehenden Verhältnisse. Ohne den Wunsch nach echter Diskussion und Lösungsfindung wird aber keine Wahrheit hergestellt, sondern nur Macht angestrebt.

Als der Freiheit und dem Eigentum verpflichtete Grundeigentümer treten wir solchen Entwicklungen entgegen. Alles, was der Wahrheit nicht dient, sondern lediglich Macht umverteilen will, ist zu hinterfragen. Ist Klima-, Gender- oder andere Politik nicht der Wahrheit verpflichtet, so dient sie nur der Beschränkung von Freiheit und Eigentum.