• Über Disruption, Freiheit und Veränderung

Über Disruption, Freiheit und Veränderung

07.12.2017    

Teil der Veränderung werden - Wir leben in einer Zeit der rasanten und tiefgreifenden Transformation. Der Wind des Wandels pfeift überall: in der Wirtschaft, in der Gesellschaft, in der Politik. Das möglicherweise beeindruckendste Beispiel, wie schnell eine Technologieumstellung vor sich gehen kann stammt von der Jahrhundertwende, als Automobile Pferdekutschen ersetzten. In nur einem Jahrzehnt wurden Strassen nicht mehr von Kutschen, sondern von Automobilen gesäumt und stellten das Vorwärtskommen auf eine damals revolutionäre Art und Weise weiterhin sicher.

Das Schlagwort einer solchen Veränderung heisst «Disruption »: gemeint ist eine schöpferische Zerstörung, welche die Verhältnisse – seien sie nun in der Wirtschaft, in der Gesellschaft oder in der Politik - radikal verändern. Globalisierung und digitale Revolutionen sind wie eine Naturgewalt über uns hereingebrochen und scheinen in der Wirtschaft und Gesellschaft keinen Stein auf dem anderen zu lassen. Technisch wie politisch gesehen ist so eine radikale Veränderung in sehr kurzer Zeit möglich.

Was heisst das im Kontext technologischer, wirtschaftlicher oder politischer Entwicklung? Ein disruptives Produkt, eine disruptive Dienstleistung oder politische Strömung erschaffen einen neuen Markt, neue Wertschöpfungsketten oder gar neue gesellschaftliche und politische Bewegungen. Gleichzeitig werden existierende Produkte, Industriezweige und Branchen sowie etablierte Verbände und Parteien geschwächt, verändert oder gar zerstört. Die Wähler goutieren Parteien und Verbände nicht mehr, die sich den echten Problemen verschliessen, sich dem notwendigen Wandel und dem sich abzeichnenden Wechsel wiedersetzen. Sie haben genug von Organisationen, die das, was die Wähler und Verbandsmitglieder bedrückt, nicht ernst nehmen oder einfach verdrängen. Wenn das Unbehagen der Bürger vor lauter Rücksichtnahme auf Gender, Correctness, Gesundbeter, Parteistrategen und Interessengruppen nicht besser wahrgenommen wird, dann werden auch bei uns in der Schweiz, im Kanton und in den Gemeinden etablierte Parteien weggefegt und aus Exekutive und Legislative entfernt wie einst die Pferde auf den Strassen des beginnenden 20. Jahrhunderts.

Deshalb ist es wichtig, dass wir die Probleme unserer Verbandsmitglieder, für deren Lösung wir uns einzusetzen behaupten, ernst nehmen. Das heisst manchmal auch, zum Status Quo «Nein» zu sagen. Das ist das wirksamste Mittel gegen Disruption und führt zudem erst noch zu Freiheit. Und nur aus Freiheit entsteht bekanntlich etwas wirklich Neues. Ein Mehr an Sicherheit gewinnen wir damit zwar nicht. Wir gewinnen es aber auch nicht, wenn wir einfach behalten wollen, was wir sicher zu haben glauben. Wer aus vermeintlicher Sicherheit heraus etwas Neues sucht, gewinnt nichts Neues, sondern nur – und nur vielleicht – etwas Anderes.

Wir müssen also wieder lernen, täglich mit dem Wandel umzugehen, selbst zur Veränderung werden, um die Welt so zu gestalten, wie wir sie selbst wollen. Deshalb gilt in der Politik, im Sport, im Privaten überall die Weisheit von Ghandi: «Du musst selbst zu der Veränderung werden, die Du in der Welt sehen willst.»